Irene Senfter im Sommerinterview
Intervista estiva ad Irene Senfter

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Wie steht es um die ökosozialen Bürgerlisten in Südtirol? Wachsen und gedeihen sie?

Die ökosozialen Bürgerlisten sind aus den Südtiroler Gemeindestuben nicht mehr wegzudenken. In einigen Gemeinden mussten im Mai 2010 zwar kleinere Verluste hingenommen werden, dafür konnten in anderen Gemeinden wie etwa in Jenesien oder Klausen neue Bürgerlisten aus dem Stand heraus beeindruckende Ergebnisse einfahren.

Wie entwickelt sich das Forum der Gemeinden im Allgemeinen?

Das Forum der Gemeinden geht, wenn ich richtig gerechnet habe, inzwischen in sein sechstes Jahr und entwickelt sich zunehmend zu einem tragfähigen Netz für die GemeinderätInnen der verschiedenen Dorf- und Bürgerlisten. In den regelmäßigen Treffen werden inhaltliche und formale Diskussionen geführt, und in der Zeit zwischen den Treffen gibt es regen Mail- und Telefonkontakt z.B. zum Austausch von Anfragen oder Beschlussanträgen.

Und speziell jetzt nach den Gemeinderatswahlen?

Im ersten Treffen nach den Gemeinderatswahlen war es uns besonders wichtig, die neuen Kolleginnen und Kollegen über bestimmte formale Grundsätze und über ihre Rechte und Pflichten zu informieren. In den nächsten Treffen werden wir wieder Inhalte diskutieren, es wurde aber von mehreren Seiten auch der Wunsch nach einem speziellen Treffen zum Thema Gemeindehaushalt aus technischer Sicht geäußert.

Wie wichtig wird dieses Netzwerk in Zukunft sein?

Die Bedeutung des Forums wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren noch zunehmen. Die Herausforderungen auch in den Kleingemeinden werden ja immer größer, und außerdem habe ich den Eindruck, dass wir ein paar besonders kompetente und engagierte neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter dazu gewonnen haben. Wenn nun auch diese sich einbringen, wird uns der Gesprächs- und Arbeitsstoff sicher nicht ausgehen.

Kurzes Resümee zur Tagung am 24.07. in Klausen:

Das Treffen in Klausen war ein großer Erfolg. 30 TeilnehmerInnen aus den verschiedensten Gemeinden, vor allem aus dem Eisacktaler Raum, haben rege diskutiert und ihre Erfahrungen ausgetauscht. Dank der perfekten Vorbereitungen der Bürgerliste Klausen-Lista civica Chiusa konnten wir in angenehmer Atmosphäre, technisch gerüstet und gut verpflegt arbeiten. Nun gönnen wir uns ein kurzes Sommerpäuschen, bevor es Ende September in die „nächste Runde“ geht.

 

Irene Senfter ist Gemeinderätin in Lana und Koordinatorin des Forum der Gemeinden
Irene Senfte è consigliera comunale a Lana e coordinatrice del forum dei comuni 

 

02.08. - 22.08 Grünes Büro geschlossen - Ufficio Verde chiuso per ferie

geschlossenchiuso

Das Grüne Büro geht auf Urlaub. Vom 02.08. bis 22.08. bleibt es daher geschlossen. In dieser Zeit können Sie mit ihren Anliegen das Büro der Grünen Landtagsfraktion (Tel: 0471 946332) kontaktieren. 

L’ufficio verde va in vacanze. Perciò rimane chiuso dal 02.08. al 22.08. In caso di necessità potete contattare l'ufficio del gruppo verde in consiglio comunale (Tel: 0471 946332). 

 

Tourismusbilanz von LR Berger: Erfolg hat seinen Preis

Landesrat Berger hat heute mit der SMG-Spitze Positionen und Perspektiven des Südtirol-Tourismus analysiert: Die Erfolgsbilanz kann sich gewiss sehen lassen und erhebt die Branche zu einem bis jetzt noch krisenfesten Motor der Entwicklung. Im Gegensatz zu Nordtirol mit ca. 45 Mio. Nächtigungen stehen die 28 Mio. Südtirols für eine vergleichsweise maßvolle Entwicklung, die sich vorab auf Familienbetriebe konzentriert und Erträge nicht Konzernen und Großanbietern zuführt. Tourismus sichert Arbeitsplätze und Aufträge, die Erfolgsgeschichte hat allerdings auch ihren Preis:

  • Akut drohendes Überangebot: Das Bettenangebot wächst in den letzten Jahren jährlich um 1000 Betten. 2010 hat die Landesregierung mit der Ausweisung von „Tourismusentwicklungsgebieten“ eine Spirale in Gang gesetzt, die bis jetzt in neun Gemeinden die Schaffung von 4500 neuen Betten ermöglicht.
  • Wachstum verläuft ungleichmäßig: Starke Tourismusgemeinden wachsen vielfach schneller als schwache: Von den Top 10 Südtirols mit über 600.000 Übernachtungen haben Kastelruth, Wolkenstein, Abtei, Corvara, Ahrntal, Tirol, Sexten und Ratschings seit 2005 um mehr als 8% zugelegt. Manche Gebiete hingegen befinden sich im Sinkflug: So erleben die früher erfolgreichen Bozen, Stilfs, Latsch, Auer seit fünf Jahren starke Einbußen, auch eine Gemeinde wie Eppan stagniert. Dieses Ungleichgewicht bedarf starker Korrekturen.
  • Nächtigungen und Auslastung sind kein Erfolgsgaranten: Die Ertragslage viele Betriebe ist mäßig, die Hochverschuldung eine Zeitbombe für manche Hotels : Das „Emmy“ in Völs ist ein sprechendes Beispiel.
  • Tourismus gefährdet Natur und Landschaft als wichtigste Ressourcen: Tourismus generiert nicht nur Erfolg, sondern auch Bausünden in Serie und eine Architektur, die Landschaft und das Weltnaturerbe Dolomiten verhöhnt. Hinzu kommt die Übererschließung durch Aufstiegsanlagen – das Beispiel Sexten oder die Standseilbahn in St. Ulrich sind dafür nur zwei Beispiele.
  • Sinn statt Fun: Neben dem bislang vorherrschenden quantitativen Wachstum bedarf Tourismus zur Sicherung seines Erfolgs endlich das Gespür dafür, dass immer mehr Gäste Ruhe, Authentizität, Ressourcenschonung und Verkehrsfreiheit wünschen – die neuen Gästegruppen nehmen sprunghaft zu.
  • Sanfte Mobilität könnte sich – wie am Beispiel der Vinschger Bahn - als Kernqualität Südtirols erweisen, weniger Autos, mehr und attraktive Schiene, zeitweise Passschließungen und keinen Flughafen-Ausbau.
  • Ein Umweltland Südtirol wird in wenigen Jahren als Destination voll im Trend liegen – der aktuell ignorierte, aber rasant voranschreitende Klimawandel wird die Sicht vieler Gäste völlig verändern.

Hans Heiss

 

Sozialnetz Südtirol trägt, aber strukturelle Maßnahmen gegen die chronische Zunahme von Armut und Arbeitslosigkeit sind notwendiger denn je

Landesrat Theiner und Abteilungsdirektor Tragust verweisen zu recht auf die Tragfähigkeit und zumindest mittelfristige Finanzierbarkeit des sozialen Netzes in Südtirol. Dennoch belegt die sprunghafte Zunahme der finanziellen Sozialhilfe um 23% und die Erhöhung ihres Gesamtbetrages von gut 10 auf knapp 16 Mio. € für rund 5.700 Personen in nur einem Jahr eine stark geschwächte und chronisch ausgehöhlte Einkommensbasis vieler Familien und Einzelpersonen.
Denn nimmt man noch die vielen Personen dazu, die trotz sinkender Einkommen keine Leistungen in Anspruch nehmen (v. a. Rentner) und berücksichtigt die über 10.000 Personen (seit 2009: + 20,7%) mit ihren Familien, die arbeitslos sind oder sich in Mobilität befinden, so ist anzunehmen, dass die Fälle relativer und absoluter Armut in Südtirol inzwischen 10% der Südtiroler Bevölkerung erfasst haben. Für ein Land, dessen italienweite Spitzenposition der Landeshauptmann ständig hervorhebt, sind die Ergebnisse kein Ruhmesblatt. Denn so tragfähig das soziale Netz in Südtirol auch ist, so sind die Strukturschwächen und die wachsende soziale Ungleichheit eine negative Schlagseite des Modells Südtirol.
Die Zentren der Krise liegen vorab in den größeren Städten, erreichen heuer aber auch bisher relativ krisensichere ländliche Räume, da die im Vergleich zu 2009 absehbare Schwäche des Tourismus und der mit ihm verbundenen Sektoren 2010 ihre Auswirkungen zeigen wird.
Das in Südtirol insgesamt noch überschaubare Sozialbudget darf auch in den künftigen Jahren keine Abstriche erfahren, sondern soll mit deutlichen Steigerungen rechnen dürfen. Ebenso wichtig aber ist eine entschiedene Arbeitsmarktpolitik, die zum einen über Zusatzverträge die Einkommen stärkt und zugleich für innovative und gut bezahlte Arbeitsplätze sorgt. LR Theiner mag daher zufrieden auf Geleistetes zurückblicken, seine Bilanz zeigt zugleich aber auch unterhalb des sozialen Netzes starke und sich ausweitende Risse im sozialen Gesamtgefüge Südtirols.

Hans Heiss    

 

Novellierung der Straßenverkehrsordnung: Kein großer Wurf, viel Repression, aber positiv ist das Null-Toleranz bei Jugend-Alkohol am Steuer.

Die Neufassung der Straßenverkehrsordnung ist ein mühsamer Kompromiss zwischen sinnvoller Kontrolle , Repression und absurden Ad-Hoc-Maßnahmen.
Das totale Alkoholverbot für jugendliche Fahrer unter 21 ist ebenso sinnvoll wie das Ausschankverbot ab 3.00 Uhr morgens und zielt auf den Schutz der von Unfällen am stärksten betroffenen Gruppe. Nach wie vor liegt Italien bei Unfallzahlen/Verkehrstoten mit Belgien an der europäischen Spitze und Südtirol hält im staatlichen Vorderfeld mit.
Der Repressionskurs gegen Alkohol hat u. a. in Südtirol beträchtliche Wirkung gezeigt, mit einem Rückgang der Unfälle bereits seit 2003 und einer Absenkung der Verkehrstoten von über 80 (2003) auf 43 im vergangenen Jahr. Die Kritik von LR Widmann an der neuen StVO geht daher in diesem Punkt in die Irre – Prävention und Erziehung allein sind zu wenig; scharfe Kontrollen sind im Einzelfall zwar belastend, aufs ganze besehen aber erfolgreich.

Die Erhöhung des Strafmaßes bei überzogener Geschwindigkeit ist gleichfalls zu begrüßen, nicht aber die Lockerung der Höchstgeschwindigkeit auf bestimmten Autobahnen, wo im Falle von drei Spuren 150 km/h zulässig sind.

Das Hauptproblem in Italien bleibt freilich die überzogene Automobilisierung mit der höchsten Auto-Dichte Europas. Der überbordende Verkehr lässt sich nur dann in den Griff bekommen, wenn das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr entscheidend verbessert wird – davon aber ist Italien auch aufgrund der nun greifenden Sparmaßnahmen meilenweit entfernt.

Hans Heiss

 

Sommerinterview mit Hanspeter Niederkofler
Intervista estiva a Hanspeter Niederkofler

 

foto_Hanspeter

 

Wie schaut es in Bruneck aus? Ist das programmatisches Dokument des Bürgermeisters für   die nächsten 5 Jahre ausreichend genug?

Das programmatische Dokument ist sehr vage in seinen Formulierungen und enthält kaum mehr als eine Sammlung an Gemeinplätzen und generischen Absichtsbekundungen. Wie es - wohl nicht nur in der Brunecker Gemeindepolitik - üblich geworden ist, werden die Entscheidungen Fall für Fall nach Gutdünken getroffen, "navigazione a vista", Programme und Planungsdokumente werden zwar erstellt, als Entscheidungsgrundlage dienen sie aber nur, wenn es gerade ins Konzept passt. Die nächsten 5 Jahre stehen im Zeichen der Nachhaltigkeit, steht z. B. in der Einleitung des Dokuments. Da sind wir natürlich einverstanden, aber ob das nicht nur schöne Worte sind, werden wir sehen, wenn konkrete Entscheidungen anstehen.

Anmerkungen oder Verbesserungen? Die wichtigsten Punkte in Ihren Augen?

Einige Themen:

- Direkte Demokratie: Hier stellt der Bürgermeister in Aussicht, die Gemeindeverordnung zur Durchführung von Volksbefragungen zu überarbeiten, macht aber keine Aussagen zum Inhalt der Änderungen und zu den Zeiten. Für die Volksbefragung zur Zukunft von Ried-Walchhorn wurden schon im Frühjahr 2009 die Unterschriften hinterlegt, durchgeführt werden konnte sie aufgrund der überzogenen Sperrfristen bisher nicht.

Das Beteiligungsquorum ist immer noch bei 40%, unser Antrag, es zumindest auf 15% zu senken, wurde im Jänner d. J. von der Ratsmehrheit abgelehnt. Wir warten auf Fakten - schöne Worte über die Wichtigkeit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger haben wir genug gehört.

- Das Gemeindeblatt "Info Bruneck" soll eingestellt werden. Damit sind wir einverstanden, denn mehr als ein Werbeblatt der Stadtverwaltung ist daraus ohnehin nie geworden.

- Der Jugendgemeinderat wird nicht mehr neu gewählt. In seiner bisherigen Form weist das Modell sicher Schwächen auf und wir sind bereit zu einer Diskussion über eine geeignete Form der Partizipiation.

Allerdings ist es auch nie zu einem regelmäßigen Austausch zwischen Jugendgemeinderat und Gemeinderat gekommen, auch wenn wir dies mehrmals eingefordert haben.

- Zu wichtigen Vorhaben wie Ausfahrt Südumfahrung, Verlegung Nordring, neue Tiefgaragen/Parkplätze fehlen konkrete Angaben und Zeitvorstellungen. Auch in diesem Bereich kann man kaum von einem Programm reden.

Hanspeter Niederkofler ist Grüner Gemeinderat in Bruneck
Hanspeter Niederkofler è consigliere comunale a Brunico

 
Ende der Stierkämpf-Ära. Ein Umdenken hat begonnen.

 Die Grünen freuen sich über die Entscheidung des katalonischen Parlaments, die Stierkämpfe endlich abzuschaffen und fordern zu respektvollem Umgang mit Tieren jeder Art und artgerechter Tierhaltung auf.

 Stierkampf

Das Parlament von Katalonien hat am heutigen Mittwoch (28.07.2010) die Abschaffung des Stierkampfes beschlossen. Die Südtiroler Grünen werten das als Schritt in die richtige Richtung und freuen sich über diese doch knapp gefallene Entscheidung. Die Diskussion hat auch in Barcelona gezeigt, dass sich der Tierschutz nur schwer gegenüber falschem Traditionsbewusstsein und Zuchtlobbies behaupten kann. Dass es letztlich doch gelungen ist, die qualvollen Kämpfe der Vergangenheit anheim fallen zu lassen, freut uns Grüne und bestärkt uns in unserem Einsatz für Tierschutz und artgerechte Tierhaltung. Wir nutzen die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass auch in unserem Land nicht immer respektvoll mit Nutztieren umgegangen wird und dass es höchst an der Zeit ist, die Turbo-Tierzucht, weite Tiertransporte oder nicht artgerechte Fütterung zu überdenken.

 

Brigitte Foppa und Sepp Kusstatscher, Co-Landesvorsitzende Verdi Grüne Verc

 

Schilderstreit: Für ein Abkühlen der Debatte und eine rationale, klare Lösung!
 

Die Grünen verfolgen den schwelenden Schilderstreit mit Sorge. Nationalistische Stimmungen werden aufgeheizt und die aktuelle Emotionalisierung der Debatte zeigt auf, dass hier seit Langem das Finden einer guten Lösung für alle SüdtirolerInnen versäumt wurde.

 

Um diese Lücke aufzuheben und die Situation zu normalisieren, fordern wir:

  1. Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen (Pariser Vertrag und Autonomiestatut) und folglich die weitgehend zwei- bzw. dreisprachige Benennung der Örtlichkeiten.
  2. Die Ausarbeitung des Toponomastikgesetzes im Sinne des friedlichen Zusammenlebens muss Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben. Den ItalienerInnen in unserem Land muss die Verwendung all jener Namen zugestanden werden, die sie seit 80 Jahren benutzen – unabhängig von den zweifelsfrei imperialistischen Hintergründen der Entstehung dieser Namen. Wahrscheinlich wird es vor einer sinnvollen Neuregelung zuerst eine Abänderung des Autonomiestatuts brauchen. Denn der Art. 101 des 2. Autonomiestatuts ist unbefriedigend.
  3. Es gehört in den kulturellen Auftrag der Politik unseres Landes, die Sensibilität dafür zu schaffen, dass die Tolomei’schen Namen mit dem Ziel der Unterdrückung der deutschen und der ladinischen Volksgruppe entstanden sind. Diese Namen müssen, analog zu den Denkmälern, Zeugen einer Geschichte sein, die wir in Südtirol kennen und gemeinsam aufarbeiten sollen. In einer entspannten Atmosphäre der Sprachgruppen untereinander könnten auch formal festgehaltene, aber kaum verwendete Ortsnamen im Konsens gestrichen werden können
  4. Es geht nicht an, dass eine Sprachgruppe darüber entscheidet, welche Namen eine andere Sprachgruppe zu verwenden hat. Diese Entscheidung steht auch nicht einer Kommission oder einem Landesamt zu.
  5. Für die praktische Regelung erinnern wir an den Grünen Gesetzesentwurf, der schon mehrfach durch den Landtag gegangen ist und der die Unterscheidung von öffentlicher und privater Toponomastik vorsieht.

 Brigitte Foppa und Sepp Kusstatscher, Co- Landesvorsitzende der Grünen

 

Und ist der Ruf erst ruiniert, so lebt sich’s richtig ungeniert: BBT- Kostenvoranschlag um 1 Mrd. € erhöht.

BBT SE und RFI haben nach Nachberechnungen den neuen Kostenvoranschlag für den BBT an das Infrastrukturministerium in Rom mitgeteilt: Der noch im Juli 2009 auf 7,15 Mrd. veranschlagte Ansatz wird nun auf 8.15 Mrd. erhöht. Die Kostensteigerung geht zu 50% auf neue Umweltauflagen, zu 50% auf Nachberechnungen zurück.
Demnach ist die Kostensteigerung allein für den Tunnel seit 2005, als der Bau noch auf 5 Mrd. geschätzt wurde, um über 60% explodiert. Von den über 8 Mrd. € entfällt auf Italien ein Anteil von über 4 Mrd. € allein für den Tunnel. Die Schätzungen des Schweizer Verkehrsexperten Max Herry, der bereits 2005 die Tunnelkosten auf 15 Mrd. schätzte, werden immer realistischer.
BBT-Koordinator Fabris findet freilich, dies sei alles problemlos abzudecken. Bis 2012 stehen auf italienischer Seite aber nicht mehr als 712 Mio. € bereit, die auch durch die künftige Autobahn-Querfinanzierung und weitere Einnahmen nicht entscheidend aufgestockt werden. Auch eine EU-Finanzierung ab 2013 ist mehr als ungewiss.
Rechnet man zum neuen Kostenvoranschlag von 4 Mrd. auf italienischer Seite noch die ersten Teilstücke der Zulaufstrecken (Franzensfeste-Waidbruck 1,45 Mrd.) und Umfahrung Bozen 800 Mio. hinzu, so sind nur für die wichtigsten Baumaßnahmen auf italienischer Seite über 6 Mrd. erforderlich.
Die aktuellen Aussagen von BBT-Präsident Bergmeister, Österreich sei nach den jüngsten Zweifeln jetzt doch zum Bau bereit, sind nach diesen Kostenerhöhungen mehr als fragwürdig: Sowohl die Alpenrepublik Österreich wie auch Italien haben in der akuten Finanzkrise kaum Chancen, das Projekt zu stemmen.

Hans Heiss

 

Schilderstreit: Andere Tonart des LH ist dringend gefragt: „Isch-mir-wurscht-“ und „Me-ne-frego“-Sprüche schüren nur Populismus und schaffen neue Probleme.

Die Reaktionen von Landeshauptmann Durnwalder auf den Verweis des Ministerrats in Sachen Schilder tragen nicht dazu bei, das künftige Verhandlungsklima zu verbessern. In der Öffentlichkeit gestern mehrfach wiederholte LH-Sprüche wie „Was Rom sagt, isch mir wurscht“ und „Me ne frego“ verbauen jede künftige Gesprächsbasis und heizen zudem den Populismus und die Los-von-Rom-Stimmung im Lande kräftig an. Der Landeshauptmann sollte solche Muskelspiele unterlassen, weniger auf das patriotische Lager schielen und stattdessen die 60 Tage dazu nutzen, um eine neue Gesprächsbasis zu suchen. Die römische Vorgabe sollte nicht als Diktat begriffen werden, sondern als Ausgangspunkt neuer Verhandlungen.
Die Grundlage bildet der am 8. Juli grundsätzlich ausgehandelte Kompromiss, der keineswegs darauf abzielen kann, sämtliche 36.000 Namen zu übersetzen, sondern eine moderate Zweisprachigkeit nach klaren Kriterien vorsehen muss. Die Zwei-Monats-Frist bis zur Ersatzvornahme durch den Staat schafft genügend Spielraum für weitere Verhandlungen. Eine harte Linie provoziert nichts als neue ethnische Spannungen wie im Frühjahr 2009, als das Negativklima nur durch entschiedenen Einsatz der friedensbewussten Kräfte im Land beschwichtigt werden konnte.


Hans Heiss 

 

Schilderstreit Rom-Bozen: Keine falschen Muskelspiele, Verhandlungen sind fortzuführen!

Die Kraftprobe zwischen Regionenminister Fitto und der Landesregierung geht in die nächste Runde: Unverständlich, weshalb das am 8. Juli 2010 mit Billigung des AVS erzielte Übereinkommen zur prinzipiellen, aber nicht flächendeckenden Zwei-/ Dreisprachigkeit gescheitert ist.


  • Verantwortung dafür trägt die römische Regierung, die die grundsätzliche Zwei- und Dreisprachigkeit zur totalen ausweiten will und damit bei weitem überzieht. Das Muskelspiel von Minister Fitto lässt den notwendigen Respekt vor der in der Verfassungsreform 2001 und im Autonomiestatut fixierten Autonomie von Ländern und Regionen vermissen.
  • Verantwortung trägt auch die Landesregierung, die zu sehr auf Zeitgewinn gesetzt und nur einem Austausch von Schildern auf öffentlichem Grund zustimmen will. Auch hat die Landesregierung bis Ende 2009 die Beschilderung allein den Vereinen überlassen und ihre eigene Richtlinienkompetenz in sträflicher Weise ignoriert.

  • Ein gerüttelt Maß an Verantwortung liegt schließlich beim Alpenverein, der seine verdienstvolle Beschilderungstätigkeit in den letzten Jahren mit einer weit überzogenen Einsprachigkeit vorgenommen hat.

Die aktuelle Kraftprobe kennt nur ein denkbares Vorgehen – den Weg von Rechtsfindung und Gesetzgebung. Ein angedrohtes Einschreiten des Heeres und des Regierungskommissars sind nicht akzeptabel, allenfalls der Weg der Regierung vor das Verfassungsgericht.
Grundlegend ist in dieser Situation, die Brücken nicht abzubrechen, sondern die Verhandlungen zwischen Rom und Bozen auf den fortzusetzen. Im Landtag sollte endlich die Diskussion über ein Landesgesetz aufgenommen werden und zwar nicht mit der unmittelbaren Behandlung von Gesetzesvorlagen, sondern mit einem hochrangigen Expertenhearing aus Sprachwissenschaftlern und Juristen.
Die aktuelle Situation mag verfahren erscheinen, sie ist aber auch eine Chance, endlich eine Lösung in der Frage der Toponomastik anzupeilen.

Hans Heiss
Riccardo Dello Sbarba

 

Pumpspeicherkraftwerk über Leifers: keine falsche Euphorie!

Mit großem Medienecho und Zustimmung auch seitens des Landesrates für Energie ist das Projekt eines Pumpspeicherkraftwerkes oberhalb von Leifers aufgenommen worden, das Christian Masten für die South Tyrol Energy soeben dem Stadtrat in Leifers vorgestellt hat.
Das Projekt, das mithilfe von billigem Nachtstrom große Wassermengen nach oben pumpt, um dann bei Tag teuren Spitzenstrom zu erzeugen, mag besser platziert sein als das vor einem Jahr in Ritten von KELAG geplante Projekt, das dem Leiferer Vorhaben in frappierender Weise gleicht. Anders als am Ritten ist das Gelände oberhalb des Leiferer Autobahntunnels kein Siedlungsgebiet, aber auch hier werden enorme Gesteinsmengen aus dem Berg abgebaut, mit entsprechendem Baustellenbetrieb und LKW-Verkehr in einem bereits belasteten Umfeld.


  • Die Frage des Wasserhaushalts am Berg ist auch in diesem Fall problematisch, da Quellen akut bedroht werden können, wie dies bereits beim Bau der Umfahrungstunnels in Leifers der Fall war.

  • Auch stellt sich die Frage, ob der billige und betriebswichtige Nachtstrom wirklich von Wind- und Solarenergie gespeist wird und nicht etwa durch günstigen Atomstrom aus Frankreich, wie bei vielen Pumpspeicherkraftwerken der Fall. Die Landesregierung, die sich mit dem Landtag vehement gegen AKW’s in Italien ausgesprochen hat, sollte der abzulehnenden Atomenergie in diesem Fall keine Hintertür öffnen.

Schließlich fragt sich ob es nicht zielführender wäre, anstelle aufwändiger Pumpspeicherkraftwerke im Berg die unterschiedlichen Gefällstufen zwischen Stauseen im Ulten- oder Martelltal auszunützen und dort allenfalls entsprechende Kraftwerke mit weniger Finanzaufwand und Eingriffen zu realisieren. Diese und andere Einwände wird auch die künftige UVP zu berücksichtigen haben.

Hans Heiss
Riccardo Dello Sbarba

 

Sommerliche Ideenküche der Grünen Frauen

Den Sommer wollen die GrünenFrauen für Initiativen im öko-kulturellen und ökosozialen Geist nutzen.


In ihrem Treffen vom 5. Juli 2010 befassten sich die Grünen Frauen mit ihren Schwerpunkten in der Gemeindepolitik und mit Initiativen der nächsten Monate. Sie waren sich darüber einig, dass die frauenfreundlichen Maßnahmen, die Patrizia Tricanato in der letzten Legilsatur initiiert bzw. ermöglicht hat, weiter bestehen bleiben und dass neue hinzugefügt werden sollen. Erinnert sei an die Frauenquote für die Verwaltungsräte, das interkulturelle Frauenzentrum - und die verschiedenen Schalterdienste für Mädchen, ausländische Frauen, Lesben – eine Datenbank von Fachfrauen, das Netzwerk gegen geschlechtsspezifische Gewalt, um nur die wichtigsten zu nennen. Jetzt gehe es darum, das Dokument für eine frauenfreundliche Urbanistik als wichtiges Ergebnis eines partizipativen Prozesses  umzusetzen, Frauen weiterhin in Entscheidungsprozesse einzubinden und somit der Diversität und Vielfalt von Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Anschließend wurden Ideen entwickelt, wie der Alltag von Frauen in den Städten erleichtert und dabei das Leben gesünder geführt werden kann.

Im zweiten Teil des Treffens einigten sich die Grünen Frauen darauf, ihre Aktion RICREA – WIEDERverWERTung während der Sommermonate neu aufzulegen. Dabei handelt es sich um einen Flohmarkt der Grünen mit Tipps zur Wiederverwertung alter Gegenstände. Dinge können getauscht, verschenkt, kreativ umfunktioniert oder erneuert werden, dies ist die dahinter stehende Aussage.  Der erste Termin ist der 29. Juli am Abend im Dopolavoro Ferroviario in Bozen,   der zweite am 20. August in einem Garten in der Nähe der neuen Zone Casanova. Näheres wird noch (auf der homepage) bekannt gegeben. Die Flohmärkte stehen allen offen, sei es zum Geben als auch zum Nehmen.

Weiters wurde beschlossen, im Oktober 2010 eine Studienfahrt nach Graz zu organisieren. Anlass ist der Steirische Herbst mit seinen kulturellen Inputs und verschiedene Projekte in Graz. Interessant wären ein Ausstellungsprojekt, das Interventionen im öffentlichen Raum thematisiert sowie der Besuch von interkulturellen Gärten, ein Austausch mit den Grazer Grünen Frauen, ein Treffen mit einer Selbstversorgerorganisation und den Herausgebern einer interkulturellen Zeitung.

Die Grünen Frauen sind davon überzeugt, dass Frauenplitik nicht nur darin besteht, gegen Chancenungleichheiten anzukämpfen und sexisitische Rollen-, Frauen- und Männerbilder anzuprangern – etwas, was sie immer gemacht haben - , sondern auch für ein gutes Leben und mehr Vielfalt im Alltag einzutreten. Damit kann den Druck moderner Anforderungen an Frauen besser Stand gehalten werden und mehr Platz für Vielfalt, Toleranz und Wohlbefinden vieler entstehen.

 
Kassationsgericht bestätigt Unwählbarkeitvon Christian Egartner als Landtagsabgeordneten

RekursstellerInnen: Sieg der Legalität und der Gleichheit der BürgerInnen vor dem Gesetz. Unwürdiger Rettungsversuch von SVP und Landtagspräsident Steger damit zu Ende.

kury

 Heute hat das Kassationsgericht das Urteil über die Unwählbarkeit von Christian Egartner als Landtagsabgeordneten hinterlegt. Dabei wurden die beiden Urteile in erster und zweiter Instanz bestätigt und Egartner als unwählbar für den Landtag erklärt. Die RekursstellerInnen drücken ihre Genugtuung über das Urteil des Kassationsgerichtshofes aus und bedanken sich vor allem bei ihrer Anwältin Dr. Renate Holzeisen für ihre kompetente Arbeit. Sie erinnern an die Beweggründe ihres Rekurses: Rechtsstaatlichkeit verlangt, dass alle Personen sich an Gesetze zu halten haben. Dieses Prinzip ist im Fall Egartner von der SVP im Landtag verletzt worden, die sich mit politischem Beschluss ganz einfach über die klare Rechtslage der Unwählbarkeit hinweggesetzt hat, wie sie auch aus dem Bericht des L.Abg. Dello Sbarba eindeutig zu entnehmen war.

Die Rekurssteller kritisieren weiterhin,

- dass die SVP nach Einreichen des Rekurses versucht hat, Egartner durch eine „authentische Interpretation“ des Landesgesetzes zu retten. Nur der allgemeine Protest gegen diesen Rettungsversuch hat die SVP davon abgehalten, dieses ad hoc-Rettungsgesetz im Landtag zu behandeln (die Gesetzgebungskommission hatte es bereits mit allen Stimmen der SVP-.Mitglieder verabschiedet).

- dass Egartner auch nach dem Urteil in zweiter Instanz weiterhin bis zum heutigen Tag dem Landtag angehört hat, obwohl das Urteil gleich vollstreckbar war. Um dies zu ermöglichen, hat Landtagspräsident Steger zwei Rechtsgutachten angefordert, die mit öffentlichen Mitteln bezahlt worden sind.

Cristina Kury

für die RekursstellerInnen:

Sepp Kusstatscher, Brigitte Foppa, Christian Troger, Michil Costa, Friederike Gruber, Maria Kusstatscher, Taferner Maria

 

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