Kategorien: Natur und Umwelt

Verkehrs-Explosion im Unterland. In 4 Jahren ist die Anzahl der Fahrzeuge auf der Staatsstraße um ein Drittel gestiegen.

Viele Menschen im Unterland haben den Eindruck: Wir ersticken in immer mehr Verkehr. Neben den anderen Umweltbelastungen (Autobahn, Müllverbrennungsanlage, Flughafen, Safety Park…) verkehren letzthin immer mehr Autos und Schwerverkehr auf der Staatsstraße.

Viele UnterlandlerInnen haben den Verdacht, dass dies auch mit den Umfahrungsstraßen zusammenhängt, die in den letzten Jahren nacheinander bei Auer, Leifers und St. Jakob eröffnet wurden. Die BewohnerInnen der betroffenen Dörfer konnten vorerst zweifelsohne aufatmen. Entsprechend wurden die Umfahrungen von PolitikerInnen als Erfolg und Zugewinn an Lebensqualität gefeiert.

Inzwischen ist aber sichtlich Ernüchterung eingekehrt, aus folgenden Gründen:

Die Umfahrungsstraßen haben den Verkehr im Unterland beschleunigt – was ja auch Sinn und Zweck war – und erleichtert, sodass offensichtlich die Versuchung wächst, die Staatsstraße anstelle der mautpflichtigen Autobahn zu benutzen. Jene Dörfer aber, die keine Umfahrungsstraße haben bzw. die AnwohnerInnen der Staatsstraße sehen sich durch Lärm und wohnungsnahe Umweltbelastung verstärkt belastet.

Die Antwort auf eine Landtagsanfrage der Grünen zeigt eine klare Datenlage. Sie belegt in aller Deutlichkeit die Auswirkungen einer Umfahrungsstraße: der Verkehr steigt an.

Etwa in Auer, wo die Zahl der Fahrzeuge nach 2013 um 1/3 angestiegen ist (von 10.424 auf 13.774). Die LKW-Zahl hat sich um fast die Hälfte gesteigert (von 975 auf 1.407) – auch wenn LR Mussner abwiegelnd von „keiner eindeutigen Tendenz“ spricht. 

Dieselbe Tendenz wird übrigens auch in Leifers erkennbar. An der Zählstelle in Steinmannwald ist die Gesamtzahl der Fahrzeuge zwischen 2013 und 2017 von 16.680 auf 20.772 angestiegen, jene der LKW von 904 auf 1.366.

In Salurn (wo es keine Umfahrung gibt) bleiben die Zahlen 2013-17 annähernd stabil zwischen 7.677 und 8.107, wenngleich der LKW-Verkehr auch hier angestiegen ist (von 753 auf 995 (!).

Das Gefühl der Menschen, die entlang dieser Straßen wohnen, trügt also nicht: Verkehr und Belastung haben zugenommen. Die Stickoxidwerte in Neumarkt sind seit Jahren neben Schrambach tragische Spitzenreiter in Südtirol. Zugleich hören wir von hilflosen Verlegungsversuchen des Problems, etwa wenn von der dritten Autobahnspur gesprochen wird. Die Frage bleibt nun: Was passiert, angesichts solcher Daten?

Das Unterland benötigt einen talschaftlichen Verkehrsgipfel, in dem Landesregierung, Gemeinden, Bezirksgemeinschaft und Umweltvertreter wirkungsvolle Strategien entwickeln: Gegen die wachsende Verkehrsflut helfen keine neuen Befreiungsschläge, sondern eine Politik der vielen kleinen und überlegten Schritte. Der erste davon ist, die dramatischen Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen.

BZ, 15.02.2018

 

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

Hans Heiss