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CIPRA-Warnung vor Übererschließung von Schigebieten ist berechtigt

In Südtirol schreitet Salami-Taktik munter voran, während Politik still hält.

Skigebiet-Helm-SextenVollkommen zu Recht warnt CIPRA heute vor großflächiger Übererschließung durch neue Schikarussels im Alpenraum. So sind etwa die geplanten Mega-Schischaukeln Pitztal-Ötztal oder Arosa-Lenzerheide nur die Spitzen in der generalstabsmäßíg geplanten Erschließung neuer Schipisten, von den Betreibern begründet mit der notwendigen Schaffung von Schiresorts unter dem Druck von Klimaveränderung und Konkurrenz.

Dass dabei Lebensräume und Biosphären im Dutzend unter die Raupen kommen, scheint eine nur geringe Rolle zu spielen. Auch in Südtirol stehen die Zeichen auf einer neuen Offensive der Zusammenschlüsse, der die Landesregierung willfährig bis schweigend begegnet: So ist der Zusammenschluss Sillian-Sexten trotz großer Umweltbedenken im Hinblick auf Vogelfauna und Gelände gleichsam beschlossene Sache, auch der völlig absurden Diskussion über eine Verbindung Villnöss-Gröden wird trotz Naturparks seitens der Landespolitik keine entschiedene Absage erteilt. In der Warteschleife stehen Langtaufers und Schnalstal, mit denen der Run auf neue Pisten noch längst nicht komplett ist.

Das Gesetz zur Erschließung der Schigebiete gibt hier gleichsam freie Hand, umso wichtiger wäre eine Gesamtbewertung und Moratorium der massiven Erschließungswelle, die sich auch in Südtirol abzeichnet.

Hans Heiss Brigitte Foppa Riccardo Dello Sbarba

Bozen, 23. 9. 2016

Sexarbeit: 3 andere Blickwinkel

Prostitution: Gelegenheit für eine ehrliche, verantwortungsvolle und moderne Stadtpolitik – mit neu verteilten Rollen!

sexarbeit-ausschnittZum wiederholten Male wird in Südtirol über Prostitution diskutiert. Bürgermeister Caramaschi hat das Thema aufgeworfen und will dem Phänomen mit Halteverboten und Öffnung von Bordellen beikommen.

Wir Grünen Frauen sehen solche Eingriffe als unbeholfene Versuche und schlagen drei alternative Sichtweisen vor, aus denen sich auch andere Handlungsrichtungen ableiten.

  1. Prostitution ist ein Männerphänomen. Normalerweise stehen die Frauen, die Sex gegen Bezahlung anbieten, im Mittepunkt des öffentlichen und politischen Interesses. Dabei sind die Frauen im gesamten Phänomen Prostitution nur ein kleiner Teil. In Italien stehen die ca. 27.000 weiblichen Prostituierten ca. 2,5 Millionen Kunden gegenüber. Männliche Prostituierte und weibliche Kundinnen sind Randfiguren in diesem Szenario. Es wäre also sinnvoll, den Blick auf die Käufer zu richten. Wir sind gegen Ahndung der Kunden von Prostitution. Die Kundschaft sollte erhoben, analysiert, sichtbar gemacht und vor allem aber darüber informiert werden, wen und was sie beim Sexkauf bezahlen.
  2. Prostitution als freiwillig gewählter Beruf (wir nennen dies Sexarbeit) ist nur ein winziger Teil des gesamten Phänomens. Für die Sexarbeiterinnen, die ihre Dienstleistung selbstbestimmt anbieten möchten, können wir auch eine Art von Bordell akzeptieren, sofern von den Frauen gewünscht. Internationale Erfahrungen aber zeigen, dass der Straßenstrich dadurch kaum gemindert wird – dabei wird ja gerade dieser allgemein als Problem wahrgenommen. Der übergroße Teil der Prostituierten sind eben nicht freie Sexarbeiterinnen, sondern Sklavinnen, ausgebeutete Frauen, die über Menschenhandel nach Europa gekommen sind und die keineswegs frei über Beruf, Standort, Einkommen entscheiden.
  3. Meistens wird die Sicherheit und Gesundheit der Frauen ins Feld geführt, um die Einführung von Bordellen zu unterstreichen. Wir fordern daher konsequenterweise, dass die Frauen – und zwar Sexarbeiterinnen UND Sexsklavinnen in die Diskussion einbezogen werden. Die Bürgermeister, die Vorschläge für eine „sichere Prostitution“ machen, haben die moralische Verpflichtung, von den Bedürfnissen der Frauen auszugehen. Sie sind schließlich die Schwächsten und Schützenswertesten im Gesamtphänomen Prostitution. Vielleicht stünden dann andere Maßnahmen als Halteverbot u.ä. im Blickpunkt, zum Beispiel ginge es eher um sichere Standplätze, Beleuchtung, Toiletten, Beheizung und hygienische Versorgung.

Aus diesen hier nur angerissenen Perspektiven heraus wird schon deutlich, wie schräg auch die aktuelle Debatte geführt wird und wie weiterhin die zentralen Punkte des Problems Prostitution umgangen werden. Verschieben in andere Stadtteile, Wegsperren hinter die Türen eines Bordells – das klingt im ersten Augenblick plausibel. In Wirklichkeit wird damit nichts gelöst, am allerwenigsten ändert sich etwas an der Misere der Frauen.
Dabei wäre das die Stelle, an der eine ehrliche, verantwortungsvolle und moderne Stadtpolitik ansetzen sollte.

Brigitte Foppa und Evelyn Gruber-Fischnaller, für die Grünen Frauen

Divestment: Öffentliche Hand muss klimafreundlich anlegen!

© Thüringe Grüne Brigitte Foppa, Reinhard Bütikofer, Johanna Donà

© Thüringe Grüne
Brigitte Foppa, Reinhard Bütikofer, Johanna Donà

In diesen Tagen weilt eine Delegation der Europäischen Grünen Partei (EGP) in Südtirol und prüft die Aufnahme der Südtiroler Grünen in die eigenen Reihen. Wir haben diese Präsenz dazu genutzt, um damit das Thema des „Divestment“, das der Europaparlamentarier und Co-Vorsitzender der EGP Reinhard Bütikofer seit Längerem vorantreibt, auch in Südtirol vorzustellen. Gestern Abend fand dazu im Bozner Kolpinghaus eine Informations- und Diskussionsveranstaltung statt.

Unter Divestment versteht man den Abzug von Investitionen aus dem Sektor der fossilen Energien. Vor allem Staats- und Investmentfonds sollen dazu veranlasst werden, Investitionen und Finanzanlagen aus dem klimaschädlichen Fossilsektor abzuziehen. Die junge Klimaschutzbewegung, die sich derzeit weltweit ausbreitet, verbindet erstmals ethische und finanzstrategische Notwendigkeiten im Hinblick auf die Energiefrage.

Klimawandel und Erderwärmung können nicht wirksam bekämpft werden, wenn wir zugleich unsere Gelder weiterhin in fossile Energien investieren. Dieser Widerspruch wird immer öfter verstanden, sodass etwa Vereine, Institutionen und Kirchen die Umlenkung ihrer Investitionen veranlassen. Daneben wachsen aber auch die Zweifel der InvestorInnen an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit der Anlage in fossile Energien. Der CO2-Gehalt der Öl-, Gas- und Kohlereserven verändert auch das Klima an den Finanzmärkten. Sollen die Klimaziele erreicht werden – und das haben die Staaten auch bei der Pariser Klimakonferenz im Herbst 2015 ein weiteres Mal bekräftigt -, dann muss ein großer Teil der fossilen Reserven im Boden bleiben. Je mehr derzeit aber in fossile Energien investiert wird, desto größer ist die Gefahr einer „Carbon Bubble“, einer Kohlenstoffblase, die derzeit noch die Märkte aufbläht, irgendwann aber platzen könnte. Das macht die „fossilen Investitionen“ nicht nur klimaschädlich, sondern auch immer riskanter. Dies haben Konzerne wie Rockefeller oder Allianz ebenso erkannt wie Großstädte (Stockholm, Oslo, Bristol, Berlin…) oder etwa der Norwegische Staatsfonds. Bütikofer rief bei der gestrigen Veranstaltung eindringlich dazu auf, als Einzelpersonen, als Kommunen und als Länder dieses Thema aufzugreifen und den Ausstieg vorzubereiten.

Für die grüne Landtags- und Regionalratsfraktion stellte Brigitte Foppa die Ergebnisse von zwei Anfragen vor, mit denen die Investitionen in fossile Energien auf Landes- und Regionalebene überprüft wurden. Diese sind im Wesentlichen in PensPlan Centrum AG zu finden, in dessen Portfolio zwischen 1,5-2% an Aktien dem Öl-, Kohle- und Gassektor zuzurechnen sind. Weiters hält das Land über die Investitionsbank Medio Credito Anteile an Alto Garda (6%), Enercoop (15 %) und Dolomiti Energia (0,27%). Die Brennerautobahn AG ihrerseits ist mit 52% bei Auto Plose Sadobre GmbH beteiligt.

Unsere Forderung zielt also darauf ab, auch auf diese Beteiligungen zu verzichten. Damit kann das Land die „Klimaland“-Strategie bekräftigen und die Region jegliches Risiko der Anlagen minimieren. So oder so geht es eben um Kohle.
Bozen, 21.09.2016

Brigitte Foppa, Hans Heiss, Riccardo Dello Sbarba

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CIPRA-Warnung vor Übererschließung von Schigebieten ist berechtigt

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Grund zu großer Genugtuung, aber auch zur Nachfrage über Rolle von Museen und Zeitgeschichte. Die Gletschermumie „Ötzi“, gewiss die meistbesuchte „Reliquie“ Südtirols, wird 25 Jahre nach ihrer Auffindung umfassend gewürdigt. Ihre wissenschaftliche[...]
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Es geht um Kohle | Disinvestire dai combustibili fossili Ausstieg aus Investitionen, die in den fossilen Energiesektor fließen – das ist Divestment. Verdi Grüne Vërc bringen die globale Bewegung nach Südtirol. Denn es geht um weltweite Klimazi[...]
Zeitweilige Sperrung der Dolomiten-Pässe kommt 2017

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Problem erkannt, aber Lösung ist noch weit. Immerhin: Ein erster Schritt auf einem langen Weg ist getan. Die Landesräte Gilmozzi, Mussner und Theiner haben sich am Samstag ein Herz gefasst und für 2017 eine Schließung des Sellajochs an 10 Tagen an[...]