Tourismusbilanz von LR Berger
Tourismusbilanz von LR Berger: Erfolg hat seinen Preis

- Akut drohendes Überangebot: Das Bettenangebot wächst in den letzten Jahren jährlich um 1000 Betten. 2010 hat die Landesregierung mit der Ausweisung von „Tourismusentwicklungsgebieten“ eine Spirale in Gang gesetzt, die bis jetzt in neun Gemeinden die Schaffung von 4500 neuen Betten ermöglicht.
- Wachstum verläuft ungleichmäßig: Starke Tourismusgemeinden wachsen vielfach schneller als schwache: Von den Top 10 Südtirols mit über 600.000 Übernachtungen haben Kastelruth, Wolkenstein, Abtei, Corvara, Ahrntal, Tirol, Sexten und Ratschings seit 2005 um mehr als 8% zugelegt. Manche Gebiete hingegen befinden sich im Sinkflug: So erleben die früher erfolgreichen Bozen, Stilfs, Latsch, Auer seit fünf Jahren starke Einbußen, auch eine Gemeinde wie Eppan stagniert. Dieses Ungleichgewicht bedarf starker Korrekturen.
- Nächtigungen und Auslastung sind kein Erfolgsgaranten: Die Ertragslage viele Betriebe ist mäßig, die Hochverschuldung eine Zeitbombe für manche Hotels : Das „Emmy“ in Völs ist ein sprechendes Beispiel.
- Tourismus gefährdet Natur und Landschaft als wichtigste Ressourcen: Tourismus generiert nicht nur Erfolg, sondern auch Bausünden in Serie und eine Architektur, die Landschaft und das Weltnaturerbe Dolomiten verhöhnt. Hinzu kommt die Übererschließung durch Aufstiegsanlagen – das Beispiel Sexten oder die Standseilbahn in St. Ulrich sind dafür nur zwei Beispiele.
- Sinn statt Fun: Neben dem bislang vorherrschenden quantitativen Wachstum bedarf Tourismus zur Sicherung seines Erfolgs endlich das Gespür dafür, dass immer mehr Gäste Ruhe, Authentizität, Ressourcenschonung und Verkehrsfreiheit wünschen – die neuen Gästegruppen nehmen sprunghaft zu.
- Sanfte Mobilität könnte sich – wie am Beispiel der Vinschger Bahn - als Kernqualität Südtirols erweisen, weniger Autos, mehr und attraktive Schiene, zeitweise Passschließungen und keinen Flughafen-Ausbau.
- Ein Umweltland Südtirol wird in wenigen Jahren als Destination voll im Trend liegen – der aktuell ignorierte, aber rasant voranschreitende Klimawandel wird die Sicht vieler Gäste völlig verändern.
Hans Heiss


